Santa Maria del Gesù entstand wegen einer Hochzeit. 1478 finanzierte Gräfin Giovanna Ximenes de Cabrera den Bau der Kirche und des Franziskanerklosters, um dort im Januar 1481 die Vermählung ihrer Tochter Anna mit Fadrique Enrìquez zu feiern, einem Cousin Ferdinands des Katholischen. Jahrhundertelang war der Ort ein Zentrum der Gelehrsamkeit, Sitz von Studien der Philosophie und der Theologie; dann, nach der Einigung Italiens, wurde er 1866 enteignet und in ein Gefängnis verwandelt — und blieb es 146 Jahre lang.
Sehenswertes
Die Fassade vom Beginn des 16. Jahrhunderts hat ein stark abgetrepptes Spitzbogenportal, geschmückt mit einer fantasievollen Ikonografie von Meerestieren, die Fachleute mit der Kunst der iberischen Levante in Verbindung bringen; darüber zwei feine Einbogenfenster maurischen Geschmacks und eine Fensterrose. Das Meisterstück aber liegt dahinter verborgen: der zweigeschossige spätgotische Kreuzgang mit lauter unterschiedlichen Säulen, ein Unikum in Süditalien, für das es Vergleiche nur in Katalonien gibt. Im Inneren bewahrt die Cappella Riva ein Altarbild von Bernardino Nigro, der heiligen Anna und den Mailänder Heiligen gewidmet, gestiftet vom Adligen Cristoforo Riva.
Der Besuch
Die Wiedereröffnung liegt noch nicht lange zurück und hat etwas von einer Rückgabe: Nach 146 Jahren als Gefängnis wurde die Kirche am 20. April 2011 wieder für das Publikum geöffnet, und seit 2016 lassen sich Kirche und Kreuzgang erneut besichtigen. Es ist einer jener Orte, die mehrfach den Beruf gewechselt haben und am Ende doch wieder zu sich selbst zurückgefunden haben.
Tipp der Redaktion
Bleib nicht bei der Kirche stehen: Frag nach dem Kreuzgang, dem eigentlichen Grund, bis hierher zu kommen. Seine Säulen, eine anders als die andere, haben in Süditalien nichts Vergleichbares. Und schau dir das Portal aus der Nähe an: Zwischen dem Dekor tauchen Meereswesen auf, ein ungewöhnliches Detail, das bis an die Küsten Spaniens führt.
