Ein Dutzend Gräber wurde nie fertig: der Fels ist halb ausgehauen, die Öffnung kaum begonnen, dort bricht die Arbeit ab. Die übrigen 87 sind Kammern im Kalkstein, kreisrund oder fast, in einigen öffnet sich eine Nische in der Rückwand. Angelegt haben sie die Menschen der Castelluccio-Kultur, der frühen Bronzezeit Siziliens, zwischen 2200 und 1450 v. Chr., auf einer Hochfläche zweieinhalb Kilometer von Pozzallo, die aber zum Gemeindegebiet von Modica gehört.
Sehenswertes
Die Kammern liegen an den Felshängen beiderseits der Straße von Bellamagna nach Zimmardo: 79 reihen sich entlang dieser Strecke, fast alle nach Süden und Südosten gerichtet. Der Eingang ist ein niedriges Loch, oft halb verschüttet von abgerutschter Erde; dahinter weitet sich die Grabkammer. In der Castelluccio-Kultur verschloss man solche Kammern mit steinernen Platten, die an mehreren Fundorten Spiralmotive tragen.
Viel später wurde die Hochfläche erneut zum Friedhof: in der Spätantike entstanden hier neun kleine Hypogäen und etwa dreißig Schachtgräber, kenntlich an der rechteckigen Form und den scharfen Kanten, anders als die runden Umrisse der vorgeschichtlichen Kammern. Die Kammern sind längst leer; die typischen Beigaben dieser Kultur, Gefäße mit braunen Linien auf gelbrotem Grund, sanduhrförmige Becher und Schalen auf hohem Fuß, stehen heute in den Archäologiemuseen des hybläischen Gebiets.
Der Besuch
Das hier ist kein eingezäunter Park: keine Kasse, keine Öffnungszeiten, keine Tafel, die erklärt, was man vor sich hat. Man fährt mit dem Auto die Straße Bellamagna-Zimmardo entlang, zwischen Trockenmauern und Feldern, und geht dann am Rand zu Fuß weiter; die Kammern erkennt man erst aus der Nähe, das hohe Gras verdeckt sie. Festes Schuhwerk, Wasser und Vorsicht sind nötig: der Boden ist uneben, teils privat, und nicht jede Öffnung ist sicher. Eine Stunde genügt für einen Überblick.
Tipp der Redaktion
Wir kommen bei tiefstehender Sonne, früh am Morgen oder am späten Nachmittag: das flache Licht hebt den Schatten jedes Eingangs vom Hang ab, und die Gräber werden lesbar, während sie mittags im Weiß des Felsens verschwinden. Wer danach mehr sehen will, fährt eine halbe Stunde nach Cava d'Ispica, wo Kammern derselben Art an einem ausgebauten Weg liegen.
