Am Strand steht noch der gemauerte Schornstein der Tonnara, über den eingestürzten Mauern der Hallen, in denen der Fisch verarbeitet wurde. Die Tonnara von Vendicari entstand im 18. Jahrhundert, beschäftigte in ihrer besten Zeit vierzig Menschen unter zwei Rais, der erste aus Avola, sein Stellvertreter aus Pachino, und wurde 1943 stillgelegt. Daneben bewacht der staufische Turm, im 15. Jahrhundert von den Herzögen von Noto errichtet, weiterhin diesen Küstenabschnitt zwischen Noto und Marzamemi.
Sehenswertes
Das Reservat wurde mit Dekret vom 14. März 1984 eingerichtet und 1989 zugänglich gemacht; es umfasst 1.512 Hektar Flachküste aus Fels, Dünen, Macchia und Salzlagunen. Die Lagunen sind der Kern: Piccolo, Grande und Roveto liegen nur wenige Dutzend Meter auseinander, sind im Schnitt 30-40 Zentimeter tief, und der Piccolo trocknet nie aus, gespeist von Brackwasserquellen. Rund 180 Vogelarten ziehen jedes Jahr durch, Flamingos aus Frankreich, Enten und Watvögel aus Russland, Löffler und Reiher aus Ungarn, und der Stelzenläufer rastet hier auf dem Weg von der Sahara zu den Brutplätzen in Nordeuropa. Afrika liegt 350 Kilometer Luftlinie entfernt, und Vendicari liegt südlicher als Tunis.
Man läuft hier auch über Archäologie: die Becken einer hellenistischen Anlage zum Einsalzen von Fisch, daneben eine kleine Nekropole, und im Süden die Cittadella dei Maccari, eine byzantinische Siedlung mit einem kleinen Kirchenbau und Felsgräbern, bis zum 6. Jahrhundert aufgegeben, als die Küste unsicher wurde und die Menschen ins Landesinnere Richtung Pantalica zogen. Von den Salinen, die seit dem 15. Jahrhundert für die Tonnara arbeiteten, sind Spuren am Pantano Grande geblieben. Fünf Strände gibt es: Eloro im Norden, dann Marianelli, das zwischen zwei Landzungen eingeschlossene Calamosche, der Strand bei der Tonnara und San Lorenzo ganz im Süden.
Der Besuch
Vier Zugänge gibt es: Eloro im Norden, Calamosche, den Haupteingang beim staufischen Turm und Cittadella dei Maccari im Süden. Man kommt über die Straße zwischen Noto und Pachino, stellt das Auto an den Zugängen ab und geht zu Fuß weiter: Die Wege sind eben, Sand und Holzstege, Schatten gibt es kaum. Die übliche Runde vom Turm um die Lagunen dauert drei bis vier Stunden; wer das Reservat von Eloro bis San Lorenzo durchquert, braucht einen ganzen Tag. Die Öffnungszeiten richten sich nach dem Tageslicht und wechseln mit der Jahreszeit, also vorher prüfen. Wasser und Fernglas gehören dazu; der Dezember ist der beste Monat für Vögel.
Tipp der Redaktion
Wir gehen zur Öffnung hinein, durch den Zugang am Turm, und sind an den Beobachtungshütten, bevor die Sonne steigt: Dann stehen in den Lagunen die langen Beine, und das Licht liegt flach auf dem Wasser. Danach gehen wir hinunter zur Tonnara und bleiben zehn Minuten in den Hallen, wo der Wind durch die Mauern zieht. Im August ist der Strand von Calamosche voll: Wer im Sommer kommt, kommt früh am Morgen oder um sechs Uhr abends.
