Der Name sagt zweimal dasselbe: «in lamis» heißt auf Latein in den Sümpfen, und der alte Ortskern heißt Padula, was in der Mundart der Sumpf ist. Vor der Trockenlegung war hier alles Moor. Der Kern ist mittelalterlich, mit niedrigen Reihenhäusern, fast alle weiß, engen Straßen und Sackgassen, und Riccardo Bacchelli, der ihn in eine Novelle setzte, sah die Reihen der gleichen Dächer liegen wie «un ammattonato a spina», ein Fischgrätpflaster. Am Karfreitag tut der Ort etwas, das man nicht vergisst: die fracchie, waagerechte Fackeln von Tonnen Gewicht, auf kleine Wagen gehäuft, angezündet und durch die Straßen gezogen. Die Überlieferung sagt, sie sollten der Mutter Christi den Weg leuchten, die den Leib ihres Sohnes sucht.
Ein paar Kilometer östlich steht das Heiligtum San Matteo, das auf den ersten Blick wie eine Festung aussieht und keine ist: es ist ein Ort des Kultes und der Gastfreundschaft aus dem neunten oder zehnten Jahrhundert, und der Ort gehörte ihm bis 1793 — demselben Jahr, in dem Ferdinand IV. San Marco den Titel einer Stadt verlieh. Das erste sichere Datum in seinen Urkunden ist 1007. Es war benediktinisch, dann durch eine Bulle Clemens' V. zisterziensisch, dann, ab 1568, im Besitz der Franziskanerobservanten; und in jenen Jahren erhielt es von der Kathedrale von Salerno eine dem Apostel Matthäus zugeschriebene Reliquie, einen Backenzahn. Seither nennen alle es Kloster San Matteo, obwohl sein kanonischer Name Kloster San Giovanni in Lamis geblieben ist. Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts ließ sich hier eine Gemeinschaft von Albanern nieder, die vor den Türken flohen und vom anderen Ufer der Adria kamen. Die Straße, die hier vorbeiführt, ist die Via Sacra Langobardorum, der Pilgerweg zur Höhle des heiligen Michael. Und nach der Einigung waren diese Berge ein Land des Banditentums: über fünfzig Briganten aus San Marco wurden nach 1861 erschossen oder fielen in den Gefechten.