Sem Benelli ließ sich mit den Tantiemen seiner eigenen Theaterstücke eine Burg bauen und wohnte am Ende im Häuschen des Gärtners. 1914 kaufte der Dramatiker und Dichter von einem gewissen Giovannino delle Gallerie einen Felssporn über der Via Aurelia bei Zoagli und übertrug den Entwurf seinem Freund Gian Giuseppe Mancini, Bühnenbildner und Architekt. 1943 zwangen ihn Geldsorgen zum Verkauf an den Mailänder Industriellen Costantino Lentati: Benelli blieb im Nebengebäude des Gartens wohnen, bis er 1949 starb.
Sehenswertes
Der Bau ist eine Übung in Eklektizismus mit neumittelalterlichem Einschlag: Sichtstein, Ziegel, farbiger Marmor wie Intarsien gesetzt, dazu ein hoher Mittelbau, der sich wie ein Turm erhebt und die übrigen Baukörper zusammenhält. Dass ein Bühnenbildner die Zeichnungen gemacht hat, sieht man: Die Burg ist darauf angelegt, aus der Ferne betrachtet zu werden, von der Straße und vom Meer, wie eine Kulisse.
Den Rest erledigt die Lage. Das Haus klammert sich an einen Felssporn über der Staatsstraße 1, der Aurelia, und beherrscht den Golf von Tigullio; die Meerseite ist die Seite, für die man langsamer fahren sollte. Das ist keine über Jahrhunderte umgebaute mittelalterliche Burg, sondern eine im 20. Jahrhundert erfundene, und genau das macht sie interessant: ein Stück Theater in Mauerwerk, gebaut von einem Mann, der vom Theater lebte.
Der Besuch
Die Burg liegt an der Aurelia in Zoagli, zwischen Rapallo und Chiavari; sie ist Privatbesitz, regelmäßige Öffnungszeiten sind nicht bekannt, man sollte also damit rechnen, sie nur von außen zu sehen. Von der Staatsstraße taucht sie plötzlich in einer Kurve auf, und das ist der beste Punkt für die Silhouette; wer mit dem Zug nach Zoagli kommt oder zum Wasser hinuntergeht, findet sie hoch über der Küste im Gegenlicht wieder.
Tipp der Redaktion
Kommen Sie am späten Nachmittag vorbei, wenn das flache Licht den farbigen Marmor und das Mauerwerk hervorholt: mittags wirkt der Bau flach, fast grau. Und lesen Sie vorher ein paar Zeilen über Sem Benelli, denn der Verkauf von 1943 und das im Gärtnerhaus verbrachte Alter verändern den Blick auf diesen Turm.
