🏰 Burgen und Schlösser

Castello svevo

📍 Termoli, Molise · 52/100

Über die linke Fassadenseite der Burg zieht sich ein sechs Meter langer Riss: Das Erdbeben von 1627 hat ihn aufgerissen, später wurde er zugemauert, lesbar ist er noch immer. Jener Stoß traf vor allem das Gargano-Gebiet; in Termoli verursachte er nur leichte Einstürze, hob aber die Felsküste an, und die Verwerfung ist bis heute in der Mitte der Westfront zu sehen. Er ist das deutlichste Zeichen einer Geschichte aus Erdbeben, Überfällen und Ausbesserungen, die die Burg offen mit sich trägt.

Der Kern ist älter als der Name. In der Mitte steht ein quadratischer normannischer Turm, ganz aus Ziegeln gemauert und von einem Tonnengewölbe gedeckt; darum legt sich der pyramidenstumpfförmige Baukörper mit vier vorkragenden Ecktürmen, den Friedrich II. von Hohenstaufen anordnen ließ und den eine in einem dieser Türme gefundene Inschrift auf 1247 datiert. Schon 1239 erlaubte der Kaiser den Termolesen, innerhalb der Mauern des alten castrum einen Wochenmarkt abzuhalten.

Sehenswertes

Das untere Geschoss diente als Lager und Depot: vier große rechteckige Räume mit Tonnengewölben, um den normannischen Kern herum angeordnet. Im ersten Stock liegt der sogenannte Corridoio degli arcieri, der Gang der Bogenschützen, wo die Scharten Bogen- und Armbrustschützen den Schuss nach unten erlaubten; von hier aus öffnen sich die Ecktürme und der einzige ursprüngliche Zugang an der Nordostseite, wo noch die Konsolen sitzen, über die Seile und Winden der Zugbrücke nach Montecastello liefen.

Oben auf der Terrasse ragen die steinernen Kragsteine weiter hervor: Sie trugen einst die hölzernen Gerüste für den Steilwurf und wurden erst später zur dekorativen Auflage einer Zinnenreihe. In der unteren Zisterne, die zeitweise als bourbonisches Gefängnis diente, hat jemand Kohlezeichnungen hinterlassen, die bei den Restaurierungen wieder zum Vorschein kamen.

Tipp der Redaktion

Betrachten Sie die Burg von der Meerseite, wo sie am höchsten aufragt: Sie war ein Beobachtungsposten über der Adria, und nur von dort erschließt sich ihre Geometrie. Am 2. August 1566 kam von genau diesem Meer die Flotte von Piyali Pascha und setzte die Stadt in Brand. Seit 1885 ist die Burg Nationaldenkmal.

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