Das Tal, in dem dieser Ort liegt, heißt Valle dell'Orco, Tal des Unholds, und niemand weiß recht warum. Die wahrscheinlichste Erklärung ist klimatisch: ein starker Wind, der lange Zeiträume des Jahres blies. Eine andere, mündlich überlieferte, sagt jedoch, der Unhold sei Hannibal: Aus der Ebene von Sarno kommend und der Trasse folgend, aus der später die Straße von Capua nach Regium wurde, überquerte er den Pass nahe dem noch heute Campanile dell'Orco genannten Punkt und lagerte 216 vor Christus in diesem Tal, das er samt der ganzen Umgebung während der Belagerung von Nuceria Alfaterna in Brand steckte. Auch die Berge tragen Namen dieser Art: Der Monte Le Porche kommt wohl von den Schweineherden, die man dort zahlreich hielt, und erscheint auf Karten auch als Monte La Foresta, nach den Eichen und Zerreichen, die ihn bedeckten; den Monte Iulio weihten die Römer der Überlieferung nach Caesar, der ihn seinen Legionären überließ, damit sie dort Holz schlügen.
Der Boden besteht hier aus den Ausbrüchen anderer. Unter den Weiden liegt ein Kalksockel, und darüber legten sich im Lauf der Jahrtausende dicke Decken aus Asche und Lapilli: zuerst von den Vulkanen Ischias und der Phlegräischen Felder, dann vom Somma-Vesuv-Komplex. Die Bohrkerne zeigen die übereinanderliegenden Schichten der prähistorischen Ausbrüche — den von Codola vor etwa fünfundzwanzigtausend Jahren, den von Sarno vor etwa siebzehntausend, den von Novelle vor etwa fünfzehntausend, den von Ottaviano vor etwa achttausend, den von Avellino vor etwa dreitausendsiebenhundert. Und das ist auch der Grund für das Unglück: Am 5. Mai 1998 säten die Erdrutsche, die diesen Kamm der Picentini betrafen, Tod und Zerstörung im Gemeindegebiet und trafen ebenso hart Sarno, Quindici und Bracigliano. An der Flanke des Monte Le Porche zeigen die ausgeschabten Mulden noch den Kalkuntergrund; der Berg hatte seine Decke ohnehin seit Jahren verloren, an den Hängen seit den achtziger Jahren gerodet und jeden Sommer von Bränden versengt.