Graf Roger I. von Hauteville gründete sie 1072, wenige Jahre nachdem er Mazara del Vallo der arabischen Herrschaft entrissen hatte: Die königliche Abtei Santa Maria dell'Alto — von den Einwohnern Mazaras meist Madonna dell'Alto oder Madonna delle Giummare genannt — entstand als byzantinisch-normannische Kirche, die Mönchen griechischen Ritus anvertraut wurde. Eine Urkunde König Rogers II. von 1145 nennt sie S. Maria de Mazara und unterstellt sie dem Archimandritat des Allerheiligsten Erlösers in Messina; von 1567 bis 1811 war sie Komturei der Ritter des Johanniterordens von Jerusalem.
Sehenswertes
Trotz der Zerstörungen und Umbauten, die im Lauf der Jahrhunderte aufeinanderfolgten, hat der Bau vieles von seiner ursprünglichen Anlage bewahrt. Die Fassade wird von einer Vorhalle bestimmt: In der linken Wand öffnen sich zwei Spitzbögen, das Portal stammt aus dem 14. Jahrhundert. Im Inneren bleibt der Bezug zum byzantinischen Ritus in zwei seitlichen Nischen lesbar — der Prothesis auf der Nordseite und dem Diakonikon auf der Südseite —, die zwei originale Fresken bewahren, eines davon leider stark verstümmelt, mit dem heiligen Basilius und dem heiligen Johannes Chrysostomos. In der großen Mittelnische fällt die Marmorstatue der Madonna mit Kind auf, signiert „Iacobi Castegniola manu“, die die Forschung dem Bildhauer Giacomo Cassignola zuschreibt. Zur Ausstattung gehören außerdem ein Weihrauchfass mit Schiffchen und eine Monstranz, alle aus Silber und mit den Wappen der Familien Burgio und Riggio sowie dem Malteserkreuz — ein Erbe der langen Zeit unter den Johannitern.
Der Besuch
Einige Stücke, die früher hier standen, siehst du heute an anderen Orten der Stadt: Eine römische Urne, 1876 noch als Waschbecken in Gebrauch, kam an die Kathedrale von Mazara del Vallo, während ein glattes korinthisches Kapitell, das man zum Weihwasserbecken aushöhlte, samt dem Säulchen, das es trug, im Diözesanmuseum aufbewahrt wird. 1873 wurde die Kirche der Diözese überlassen, mit der ausdrücklichen Auflage, sie für den Gottesdienst offen zu halten — und das ist sie geblieben.
Tipp der Redaktion
Bleib vor dem Eintreten kurz unter der Vorhalle stehen und such die beiden Spitzbögen an der linken Wand: Sie sind das deutlichste Zeichen des normannischen Ursprungs. Wer danach die ganze Geschichte der Abtei zusammensetzen will, muss zwei weitere Stationen einplanen — die Kathedrale wegen der römischen Urne und das Diözesanmuseum wegen des Weihwasserbeckens —, denn ein Teil ihres Bestands wird inzwischen dort verwahrt.
