Vicopisano gab es wegen eines Wassers, das nicht mehr da ist. Am Fuß seines Hügels flossen zwei damals schiffbare Flüsse zusammen: der Arno, der nach Pisa, ans Meer und nach Florenz führte, und der Auser oder Serezza, jener Arm des Serchio, der die Verbindung zum See von Bientina und zur Ebene von Lucca herstellte. Deshalb wurde aus einer offenen, wehrlosen Siedlung — einem vicus — im zehnten Jahrhundert ein castellum und in den sechs folgenden Jahrhunderten eine der wichtigsten militärischen Festungen des pisanischen Gebiets. Der Name hält den Übergang fest: der Ort erscheint als vicus in einer Urkunde von 934, 975 steht neben ihm eine Burg namens Auserissala, und um das Jahr Tausend verschmolzen beide zum Vicus Auserissola, aus dem später Vico Pisano wurde. Was jene kleine Burg wert war, misst sich am Jahr 1165, als die Leute von Vico eine der elf Galeeren des pisanischen Zuges ausrüsteten, der die Genuesen auf Sardinien schlug.
Dann nahm man ihm das Wasser weg. Der Arno wurde 1560 begradigt und der See von Bientina ab 1859 trockengelegt: heute liegt der Hauptort etwa einen Kilometer vom Fluss entfernt, in der Ebene, die die Flussschleife hinterließ. Von früher blieb der Stein: zwölf mittelalterliche Türme und vor allem die Pfarrkirche Santa Maria, die die Pisaner aus Stücken Roms bauten. Drinnen stehen römische Marmorsäulen, draußen römische Sarkophage, aus der Gegend von Ostia und Rom herbeigeschafft und als Gräber der adligen Familien des Orts wiederverwendet: Pisa hielt sich für den Erben der römischen Zivilisation und wollte deren Überreste bei sich haben. Die Fassade blickt nach Osten, gegen die Regel, die sie nach Westen will, und dafür gibt es zwei Erklärungen: dass man die Ausrichtung der älteren Kirche darunter übernahm, oder dass man dem Dorf nicht den Rücken zukehren wollte. Oben auf dem Hügel steht die Rocca Nuova, von Filippo Brunelleschi entworfen und 1434 erbaut: Florenz hatte Vicopisano 1406 genommen und befestigte es gerade, als die Flüsse, die es nötig machten, anderswohin geschickt werden sollten.