Hier, in der Nacht vom neunzehnten auf den zwanzigsten Januar 1585, wurde Giulio Cesare Vanini geboren, Philosoph, Arzt und Naturforscher; sein Geburtshaus steht noch, aus der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, auch wenn vom Original nur der Mittelbau geblieben ist. Er wurde Karmelit, floh nach England und widerrief im Juli 1612 in einer Londoner Kirche vor zahlreichem Publikum, unter dem Francis Bacon saß, öffentlich den katholischen Glauben. Er kehrte zurück, nach Italien konnte er nicht mehr, und endete in Toulouse im Verborgenen, bekannt nur als geheimnisvoller Italiener mit einem seltsamen Namen und großer Gelehrsamkeit. Einen Monat lang suchte man ihn und verhaftete ihn am zweiten August 1618. Am neunten Februar 1619 erklärte ihn das Parlament von Toulouse des Atheismus und der Gotteslästerung für schuldig: es ließ ihm die Zunge herausschneiden, ihn dann erdrosseln und verbrennen. Der Ort der Hinrichtung wurde eilig gesäubert, weil am nächsten Tag in der Kirche Saint Paul die Hochzeit des Herzogs von Savoyen gefeiert wurde. Erst im Mai und im Juni, als zwei anonyme Schriften seinen Namen nannten, erkannte man in dem Hingerichteten Vanini.
Fast alles Übrige hat der Ort verloren. Von den sieben specchie, die in seinem Gebiet standen, ist eine einzige geblieben, Specchia Silva, ein Kegel aus trocken aufeinandergelegten Kalkplatten, mehr als zehn Meter hoch: und er ist ein Drittel dessen, was er war, denn zwischen dem Ende des neunzehnten und der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts wurden seine Steine fortgeschafft, um Kalk daraus zu brennen. Das war eines der Gewerbe hier: seit dem frühen neunzehnten Jahrhundert kamen Familien aus dem ganzen Salento, um in den Steinbrüchen, in den Kalköfen, im Öl, im Wein und in der Baumwolle zu arbeiten. Der große Wald der Corte, der nach einigen Forschern seit etwa tausend Jahren bestand, hielt bis 1958; wo er stand, ist heute ein Brunnen, und von den alten Bäumen sind wenige Steineichen übrig. Geblieben ist dafür Santa Maria della Strada, romanisch: am Portal zwei kauernde Tiere, ein Löwe und ein Stier, auf dem Architrav die Verkündigung als Flachrelief, und seitlich, unter dem Giebelglockenturm, eine byzantinische Sonnenuhr mit den Stunden in griechischen und in lateinischen Zeichen.