Campoli Appennino liegt im Halbkreis am Nordrand einer großen ovalen Doline, die man hier den Tomolo nennt, auf sechshundertfünfzig Metern. Der Name kommt von campora, dem Wort für das bebaubare Land in der Höhe, zwischen den Bergtälern: also genau das hier. Der Ort liegt zwischen dem Liri-Tal und dem Valle di Comino, im Nationalpark der Abruzzen, Latiums und Molises, und unter ihm fließt der Lacerno. Im Mittelalter, als der große Grundbesitz der d'Aquino entstand, erhielt Landolfo I. d'Aquino, erster Herr des Castello Cantelmo, die Ländereien von Albitum, Campoli, Settefrati und einen Teil von Aquino; zwischen dem Ende des vierzehnten und dem Beginn des sechzehnten Jahrhunderts folgte Campoli dem Schicksal der Grafschaft Alvito, eines Lehens des Königreichs Neapel im giustizierato von Terra di Lavoro. Aus jener Zeit bleiben ein fünfundzwanzig Meter hoher mittelalterlicher Turm, das, was die Leute besichtigen kommen, und ein Stück Ringmauer; in der Flur Largo dell'Acqua steht, was man den Aquädukt Neros nennt; und die Kirche San Pancrazio Martire wurde 1594 gebaut.
Doch das, worum der Ort heute lebt, ist das Loch. In der großen Karstdoline, auf mehr als fünfzehn Hektar Boden, liegt das Wildgehege des marsischen Braunbären, gemeinsam von der Gemeinde und dem Nationalpark eingerichtet und 2010 eröffnet: dort leben fünf Bären in Halbfreiheit, die sich ungehindert in einer naturnahen Umgebung bewegen können, hinter einem Zaun, an den die Besucher zu Fuß herantreten dürfen. Im Jahr 2017 wurde im Ort auch ein Bärenzentrum eröffnet, mit einer multimedialen Ausstellung über das Tier. Der Bär steht auch im Kalender: jeden August läuft man die Corsa dell'Orso, einen Straßenlauf über zehn Kilometer. Das andere, wofür Campoli bekannt ist, liegt eher unter der Erde als im Loch: der weiße und der schwarze Trüffel, anerkannt unter den traditionellen Lebensmitteln Latiums, mit seiner nationalen Messe am zweiten und dritten Novemberwochenende.