In Piana degli Albanesi wird bis heute Arbërisht gesprochen, das alte Albanisch der Gründer, die 1488 vor dem osmanischen Vormarsch auf dem Balkan hierher flohen. Die Ortsschilder sind zweisprachig, die Kirchen folgen dem byzantinisch-griechischen Ritus, und die Stadt ist Sitz der Eparchie für die italo-albanischen Gemeinden Siziliens. Bis 1941 hieß der Ort offiziell Piana dei Greci, „der Griechen“ – gemeint war nicht Griechenland, sondern der griechische Ritus der Kirchen.
Die Bräute heiraten hier nicht in Weiß, sondern im traditionellen Gewand aus roter, goldbestickter Seide. Zusammengehalten wird es vom Brezi, einem Gürtel aus getriebenem Silber, der oft mehr als ein Kilogramm wiegt und in der Mitte einen orientalischen Heiligen zeigt. Die Gewänder werden von der Mutter an die Tochter weitergegeben, und noch immer fertigen Stickerinnen im Ort neue Stücke auf Bestellung.
Am 6. Januar, nach der Wassersegnung am Brunnen der Tre Cannoli, wird eine weiße Taube an einem Faden vom Dach der Odigitria-Kirche herabgelassen, und an die Menge werden gesegnete Orangen verteilt. Der Karneval, der Kalivari, stellt die Regeln auf den Kopf: Nur die Frauen maskieren sich – und sie fordern die Männer zum Tanz auf.