Gesualdo Bufalino lebte sein ganzes Leben in Comiso und unterrichtete im Stillen, bis ihn mit einundsechzig Jahren Diceria dell'untore als einen der großen italienischen Autoren des zwanzigsten Jahrhunderts offenbarte: Die Stiftung, die seine Bibliothek und seine Papiere bewahrt, ist heute das geistige Herz der Stadt. Ringsum steht der iblëische Barock aus Kirchen und Plätzen, und die pietra di Comiso, der helle Kalkstein aus den Brüchen, der die halbe Provinz gebaut hat; darunter die römischen Thermen der Diana-Quelle, mit einem Mosaikboden, auf dem Neptun inmitten von Nereiden auf Tritonen sitzt. Dieselbe Göttin steht im Wappen, auf einem umgestürzten Krug, mit einem Wahlspruch, der ein Versprechen ist: Nach dem Ende von Casmene erstehe ich glänzend wieder.
Diesen Wahlspruch musste die Stadt sich noch einmal verdienen. Im Jahr 1981 beschloss die Regierung, auf dem alten Flugfeld einen NATO-Stützpunkt mit hundertzwölf atomar bestückten Cruise-Missiles einzurichten, und Comiso stand plötzlich mitten in der Weltpolitik: Zur Kundgebung im Frühjahr darauf kamen mehr als hunderttausend Menschen aus ganz Italien, Pazifisten lagerten auf den Feldern um die Startbahnen, und im Jahr darauf trafen die ersten amerikanischen Soldaten ein. Dann fegte das Abkommen zwischen Reagan und Gorbatschow die Euroraketen hinweg, und 1991 zog die letzte Batterie ab. Im Jahr 1999 nahmen dieselben Hallen mehr als fünftausend Flüchtlinge aus dem Kosovo auf, und Comiso hatte einen neuen Namen: Stadt des Friedens. Auf dem Hügel von Canicarao steht eine der ganz wenigen buddhistischen Pagoden Europas, ganz aus dem weißen Stein des Ortes. Von denselben Bahnen, benannt nach Pio La Torre, der jene Friedensbewegung unterstützt hatte, fliegt man heute: Ragusa Ibla, Modica und Scicli liegen eine halbe Stunde entfernt.