Der Name ist ein Steuerversprechen: Villa Franca, vom französischen ville und franche, also ein abgabenfreier Ort — die weiten Freiheiten, die man jedem bot, der sich hier niederließ. Manche führen ihn stattdessen auf eine Abteilung des fränkischen Heeres zurück, die nach 866 hier gelagert haben soll, als Ludwig II. bis Bari und Oria vordrang. Das «Fontana» dagegen ist jung: Bis 1864 hieß die Stadt schlicht Francavilla, und um sie von den Namensvettern zu unterscheiden, nannte man sie Francavilla d'Otranto; dann fügte ein Gemeindebeschluss den Namen der byzantinischen Ikone der Madonna della Fontana hinzu, jener, die der Gründerfürst der Legende nach an einer Quelle fand.
Unter den Imperiali, den Markgrafen, die daraus eine kleine Hauptstadt machten, wurde Francavilla zu einem der größten Kultur- und Industriezentren des oberen Salento: Die Mauern wurden erweitert, neue Viertel entstanden, und ab 1715 begann die Himmelfahrtsmesse. Dann starb der letzte Fürst ohne Kinder, das Lehen fiel an den Fiskus, der es in Stücken verkaufte, und 1743 zerstörte das Erdbeben von Nardò einen Teil der Stadt. Geblieben sind der Burgpalast der Imperiali, die Barockkirchen, die Adelsportale. Doch der Augenblick, in dem sich die Stadt zeigt, ist die Karwoche: Die pappamusci, barfüßige vermummte Brüder, gehen schweigend von Kirche zu Kirche, in einem der eindringlichsten Riten des Südens. Das weite Umland ist im Norden voller Trulli; darunter lief die Via Appia. Ostuni und das Meer auf der einen Seite, Lecce auf der anderen.